Ein dufter Flug

Donnerstag, 2.9.2004. Der Deutsche Wetterdienst sagt ab 12:00 gute Blauthermik mit Basishöhen zwischen 1600 m und 1900 m voraus. Wir, das sind Hannah, Eike und Martin, hatten uns die bereits zu Genüge bekannte 150 km-Strecke nach Idar-Oberstein und zurück vorgenommen. Hannah und Eike wollten mit unserem Duo Discus "RP" fliegen, begleitet von ihrem Maskottchen namens "Whoon". (Stellt sich die Frage: "Who is Whoon?") Martin hatte sich die LS4 "MZ" geschnappt. Wir ahnten nicht, dass uns dieser Tag das bisher herausragendste Erlebnis unserer Segelfliegerkarriere bescheren sollte.

Ruru hatte sich zum Schleppen extra die Mittagspause geschenkt. Letztendlich konnte er uns dann dank Herr Böhm, der den Luftraum für unseren Schlepp großräumig gesperrt hatte, von der Piste 26 auf unsere Ausgangshöhe von 800 m befördern. Und schon nach wenigen Minuten war uns klar, dass heute mehr drin sein würde... die 5 m-Bärte rissen uns hilflos in die Höhe. Das einzige, was uns blieb, war, die Flucht nach vorne anzutreten. Wenige Minuten später konnten wir hinter Bingen den höhenbeschränkten Luftraum verlassen.

13:30, Idar-Oberstein, 2500 m MSL
MZ: "RP für MZ, das ist ja wirklich unglaublich heute!" – RP: "Ja, der reinste Wahnsinn, MZ. Heute ist was richtig großes drin, glaub ich..." <Im Hintergrund ist Hannahs freudiges Juchzen zu hören.>

14:15, Kell, FL 95
RP: "Langen Information, D-2502." – "D-02, Langen, go ahead!" – "D-02, Duo Discus, VFR, position Kell, heading 150, FL 95, request FL 110" Nach kurzer Diskussion wegen Transponder u.ä. gibt der Lotse die Freigabe für beide Flugzeuge.

15:45, Karlsruhe, FL 110
In der RP: "Hannah, kannst Du mir nochmal die Butter reichen? Und ist noch was von dem leckeren Aufschnitt da?" – "Geht nicht, ich schäl grad meine Möhre. Und welchen Aufschnitt meinst Du?" – "Aber ich bin mir ganz sicher, dass wir welchen eingepackt haben... der müsste in der Tupperdose neben den Cornys liegen... ups, der Wendepunkt, dreh mal nach links, ich muss mein Brötchen schmieren."

17:00, Fulda, FL 130
<MZ beginnt wild zu schlingern.> RP: "MZ, alles okay?& – MZ: <blubbernd> "Äh... die Sprudelflasche... der Unterdruck... das ganze Cockpit ist nass... Mist!"

18:45, bei Koblenz, FL 90
Martins Cockpit ist wieder halbwegs trocken und der Aufschnitt ist in der RP auch wieder aufgetaucht, gerade noch rechtzeitig zum Abendbrot.

19:45, über dem Taunus, FL 60
Bereits seit einer Stunde im Endanflug, nähern sich RP und MZ heimatlichen Gefilden.

20:10, Mainz-Finthen, 232 m MSL
Kurz hintereinander setzten RP und MZ auf. Unser erster 800er! Wir können es immer noch nicht fassen und stehen noch eine Weile wie benommen neben unseren Fliegern, bis allmählich mit der Erkenntnis, was wir da heute erlebt haben, unbändige Freude durchbricht.

Eine wunderschöne Erfahrung, die wir gerne wiederholen möchten. Vielen Dank an Ruru, der uns trotz den Als nächstes haben wir uns das Dreieck Bikini-Atoll – Fiji-Inseln – Hawaii vorgenommen, auch bekannt als "die pazifische Rennstrecke". Mitflieger sind herzlich eingeladen!


Und die Wahrheit? – 55 Minuten gekämpft und doch abgesoffen. Aber wir probieren es wieder...

Text und Bilder: Eike und Martin



zuletzt aktualisiert am 29.09.2004 von Stefan