Aus dem Leben eines Rückholers

Eike auf der Deutschen Meisterschaft 2005 in Zwickau

Die meisten haben sicher mitbekommen, daß Helmut sich letztes Jahr in Lachen-Speyerdorf eine Fahrkarte für die Deutsche Meisterschaft in Zwickau geholt hat. Da ich ihn letztes Jahr begleitet hatte, fragte er mich, ob ich wieder mitkommen würde. Antwort war klar und Zeit hatte ich auch.

Wir sind jetzt seit einer Woche dort auf dem Wettbewerb und es gibt mittlerweile Internet via W-LAN. Sehr komfortabel, so eine 11-MBit-Leitung, wenn man ein 56k-Modem gewöhnt ist!

Freitag sind wir hier im tiefen Osten angekommen nach einer längeren Fahrt und haben einen geradezu perfekten Platz für den Wohnwagen gefunden: 100 m zum Klo! Beim Auspacken: Oh Gott! Der Idar-Obersteiner Spießbraten von Helmuts Vater ist nicht dabei!

Samstag und Sonntag werden zum Training genutzt, die Flugzeuge werden verwogen und die Spannweiten vermessen! Viele kassieren jeden Tag Strafpunkte, weil die Spannweite 3 cm zu groß ist! (Winglets) Sowas... Pro Zentimeter ein Punkt minus; Helmuts 27 passte aber.

Helmut telefoniert nach Hause; der Spießbraten muss irgendwie nach Zwiggau kommen.

Montag steht erst mal Kultur auf dem Programm. Es gießt in Strömen und wir fahren nach Leipzig. Eine Stadt – eine Baustelle! Sehr spannend, wie überall noch das alte Staatssystem durchschimmert in den Bauten. Aber auch viel neues und vor allem auch schönes.

Immer noch kein Spießbraten!

Dienstag, der erste Wertungstag.

Die 27 mit 120 Litern Wasser aufgetankt und Helmut festgeknotet. Nach kurzer Zeit geht's dann los. Die Organisation ist klasse! Das Feld wird zügig und ausgesprochen flüssig von zehn Wilgas rausgeschleppt. Stefan meinte, diese Flugzeuge würden so gut steigen, weil sie so hässlich sind, dass die Erde sie abstößt. Könnte was dran sein! Landung der Schlepper im 10- bis 30-Sekundentakt. Wirklich beeindruckend!

Die ausgeschriebene Strecke waren etwa 420 km, leider in einem Wetter das mehr für 300 km geeignet war. Die Hälte der Teilnehmer lag im 170 km entfernten Coburg. Ein Teil westlich der alten Grenze vorm McDonald's, der andere Teil östlich davon mitten in der Pampa. (Das war nicht mal im Navi vom Auto drin.)

Helmut steckte leider im Osten im Acker zusammen mit sechs anderen Fliegern... Naja. Zuhause waren wir dann um halb eins.

Lösung für den Spießbraten gefunden! Jemand aus LaLo bringt ihn mit.

Mittwoch, zweiter Wertungstag.

Der Meteorologe hat ein schlechtes Gewissen und schreibt 300 km aus. Es kommen eigentlich alle an. Auch Helmut ist da und ich bin froh dass gegrillt wird – Spießbraten natürlich.

Donnerstag:

Meteorologe hat wieder Mut gefasst und die Wettbewerbsleitung hat eine Aufgabe über knapp 400 km ausgeschrieben. Leider ging's nach Helmut Bericht nicht so gut. Es gab wieder einige Außenlandungen, aber zum Glück nicht so weit weg. Der Flugplatz (Oschatz, EDOQ) auf dem ich ihn dann abgeholt habe war, wie fast alle Flugplätze, ziemlich groß und in jeder Richtung landbar. Auf dem lag dann schon einer vom Wettbewerb, der hatte ganz selbstverständlich mal den Funk übernommen: Helmut ruft Oschatz-Info. Antwort: "Alles klar, ich bin auch von der DM, Rennklasse? Oh Scheiße – gibt aber kühles Bier hier!"

Das gab's dann auch – leider nicht für mich. Rückholer eben. Dafür aber ein schönes Schnitzel :-)

Freitag:

Das Selbstbewusstsein des Meteos hat wieder etwas gelitten: 200 km Racing.

Er sagte Blauthermik bis ca 18:00 für den ganzen Tag voraus – über der Halle bildeten sich bereits um halb elf die ersten cu... Max-Höhe wurde auf 2050 m festgelegt bei einer Basis von 2400 m.

Leider stieg Marin Theisinger aus RP, der sehr gute Chancen auf den Gesamtsieg hatte, versehentlich auf 2200 m und nullte sich damit den Flug.

Letztlich endete die Thermik so gegen acht. Dafür kamen alle wieder zurück immerhin.

Samstag

Knallerwetter, wie's scheint.

So gegen halb zehn mit dem Aufbauen fertig, frühstücken um halb elf Briefing. Basishöhen bis 2900 m MSL. Schade, dass ich nicht selbst Fliegen kann. Und das alles ohne Luftraumbeschränkungen. Gleitbereich bis 100 km weg vom Platz! Naja... man kann eben nicht alles haben.

Helmut schafft einen 115er-Schnitt. Ziemlich schnell! Der Sieger hat einen von über 120 km/h erreicht – Irre.

Abends dann mal wieder grillen. Ich hoffe, dass die Uniklinik sich beim nächsten mal Blutspenden nicht beschwert...

Sonntag

Time to relax.

Sauheiß und schwül. Kein Spass.

Briefing morgens erst um halb zwölf; Aufbau dann so um halb zwei.

Gammeln am Start und warten, warten, warten. Dann endlich: die Standardklasse, die vor uns steht wird neutralisiert. Nachdem dann der Schnüffler zweimal abgesoffen ist und die Stemme auch Weiträumiger nichts findet, fällt auch für die Rennklasse der Wertungstag aus.

Wir sind also mal nach Zwickau gefahren und haben uns die Stadt angesehen. Sehr schön, was mich ein wenig überraschte. Eine tolle Innenstadt mit schönen Kneipen.

Montag

Noch ein Tag zum Chillen.

Wir haben uns vorgenommen, den Tag zu nutzen und ins etwa 50 km entferte Tschechien zu fahren. Leider sind wir dort aufgrund Helmuts ehemaliger Geheimdiensttätigkeit gleich wieder ausgewiesen wordem.

Vorher waren wir noch in einer Bierbrauerei. Für mich als Maschinenbauer sehr interressant. Da weiß man, was man hat!

Haben auch gleich zwei Kästen (umsonst!) mitgenommen. Dank Helmuts ehemaligem Dienstgrad als Agent 0027 natürlich.

Dann Besichtigung des Miniflugplatzes Auerbach. Der bekommt gerade aus Staatstöpfen für etwas mehr als 1 Mio Euro eine Asphaltbahn und eine neue Graspiste für den Segelflug. Schön, wenn man sieht, dass der Solizuschlag ankommt (Achtung: politischer Kommentar!)

Dienstag

Oh, ganz ungewohnt: Es wird geflogen. 320 km Vieleck für die Rennklasse. Rückseitenwetter. Es ist saukalt, vor drei Tagen noch den Schatten gejagt und jetzt schon wieder die Gasheizung im Wohnwagen an. Recht schnell nach dem Start sind dann die ganzen Rheinländer abgeflogen. Sehr gut für mich: Bin dann mit einem anderen Rückholer nach Downtown Zwickau gefahren. Ganz wichtig, nochmal in die Braustube gegangen – da gibts eine ganz tolle blonde Bedienung, findet er. Die hatte dann leider nach Dienstschluss schon was vor...

Helmut ist heute rumgekommen, musste also nicht ausrücken.

Mittwoch

Unglaublich. Auch heute wird geflogen: 420 km stehen auf dem Plan. Nur! Am Vorabend hatten nämlich alle Stress gemacht. Bloss früh aufstehen und Briefing schon um halb zehn. Oh Gott! Ich schlafe in diesem Wohnwagen doch so gut.

Naja, letztlich ging's dann doch. Schlaftrunken Rumpf rausgezogen – schön. Jetzt Flügel – so. Und noch einer: schon mal die halbe Miete – schön! Leitwerk drauf. Wie rum war das nochmal. Tanken – ist das alles anstrengend...

Endlich Kaffee: der Tag nimmt langsam gestalt an. Croissant; noch viel besser! Briefing: Uihh – gleich die Monsteraufgabe und die Rückholer fürchten schon um das nachmittägliche Biertrinken.

Die Aufgabe war dann doch humaner als gedacht – Bier gerettet.

Alle Rheinländer sind dann auch gut rumgekommen und das gar nicht mal schlecht.

Abends dann spontane Grillrunde. Wusste gar nicht, dass wir soviele Leute kennen. Das gibt eine Spülorgie...

Donnerstag

Himmel alles voll mit Stratus. Scheinbar ist die Wettbewerbsleitung unter Zugzwang und versuchen in einem nicht vorhandenen Wetterfenster ein Speed-AAT (sehr seltsame, aber ganz coole Wettbewerbsform) Kommt wahrscheinlich immer dann, wenn der Meteorologe nicht so recht weiß was er machen soll.

Das Briefing wird nochmal verschoben, danach Startbereitschaft.

Es fängt an zu nieseln. In einem BMW hören wir den Radetzkymarsch. Die Thermik muss doch kommen. Verschieben der Startbereitschaft. Aus dem Segler zum Thermik anschnüffeln dringt ein leises Schnarchen. Nochmal Startbereitschaft verschoben. Im BMW inzwischen Kölner Volksmusik und wir diskutieren über das Naturfoto einer jungen Dame in der Bildzeitung. Endlich nach langen Stunden wird gegen vier Neutralisiert.

Jetzt Suppe, danach "Fettbemme", lesen, Bericht schreiben und mit Stefan im ICQ über Gott und die Welt chatten. Die Welt ist grau... By the way: lasst die Finger von dem neuesten Dan Brown Roman "Digital Fortress". Der ist so schlecht, dass es peinlich ist den im Laden unverkleidet zu kaufen.

Freitag

Der letzte (Wertungs-) Tag! Wetter zum Fliegen anscheinend.

Morgens beim Briefing gibt es die neuen Aufgaben. Noch einmal der Versuch ein Speed-AAT zu fliegen. Und diesmal klappt's auch. Ganz besonders klappte das mit dem Klappen bei dem einzigen Klapptriebwerkler im Feld. Er war der einzige der an dem Tag absoff und sich mit Motorhilfe nach Hause schaffte und damit eine virtuelle Aussenlandung kassierte.

Das ist auch gut so gewesen, denn sonst wäre ja der Abschlussabend in Gefahr gewesen. Da gabīs sehr leckeres Essen vom Brauhaus in Zwickau (siehe blonde Bedienung!). Unterhaltung war in Ordung. Mit Bauchtänzerin! Dann noch ein paar "Hütchen" (nicht weiter zu erklärendes alkohlisches Getränk); und ab ins Bett. Ich freue mich schon wieder auf Zuhause – wieder selbst fliegen.

Samstag

Der große Abreisetag. Was für ein Glück, dass das Vorzelt schon abgebaut war. Wir hätten dafür keinen Nerv gehabt. Wohnwagen umdrehen – Stützrad ist platt; hmpf – anhängen. Flieger an den Ford dranbasteln. Schön. Jetzt noch der Bäckereifachverkäuferin einen Besuch abstatten. Croissants und Kaffee! Der Tag kann beginnen.

Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt wieder in Mainz angekommen. Bin ganz schön fertig. Stefan hat die "JO" schon aufgebaut, mich eingewiesen und damit den ganzen Tag fliegen lassen. Danke!!!

Damit schließe ich meinen Bericht und kann zusammenfassend sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat. Habe sehr viel über das Streckensegelfliegen gelernt, nette Leute kennengelernt und auch eigentlich viel Spass gehabt.


Ergebnisse habe ich keine reingeschrieben, die sind hier erst mal zweitrangig und kann jeder auf http://dm2005.acz.de/servlet/ ansehen.

Text: Eike



zuletzt aktualisiert am 08.06.2005 von Martin