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Segelfliegen mit Sonnenenergie und Teamgeist

Segelfliegen ist die wohl ursprünglichste Form des Fliegens. Allein die Kombination aus Sonnen- und Windenergie, moderner Flugzeugbau-Technik und Cleverness des Piloten ermöglichen stundenlange Flüge und das Zurücklegen von Strecken bis hin zu mehreren hundert oder gar tausend Kilometern ohne Landung. Und das kann nahezu jeder lernen.


Mit den drachenähnlichen Konstruktionen der Anfangsjahre des Segelfliegens haben moderne Segelflugzeuge kaum noch etwas gemein. Nur die physikalischen Gesetzmäßigkeiten haben sich nicht geändert und werden noch immer genutzt – allerdings auf hohem Niveau.

Segelflieger sind vom Wetter abhängig. Für längere Flüge benötigen sie ausreichende Sonneneinstrahlung, die den Boden unter ihnen erwärmt und die darüber stehende Luft aufsteigen lässt. Allerdings hat die Ingenieurskunst inzwischen sowohl im Flugzeugbau wie bei den Instrumenten ein Entwicklungsniveau erreicht, wie es noch vor wenigen Jahre undenkbar war. Der Bau von Segelflugzeugen hat beispielsweise den konstruktiven Einsatz der Faserverbundtechnik – zunächst mit Glas?, später mit Kohle- und anderen Fasern – in der gesamten Industrie vorangetrieben. Die hier entwickelten Technologien werden heute auch in anderen Branchen genutzt. Im Übrigen profitieren vor allem deutsche Unternehmen von dieser dynamischen Branche: Nahezu alle auf internationalen Wettbewerben erfolgreichen Flugzeuge stammen aus deutscher Produktion.

Segelflieger sind aber nicht unbedingt und immer die Technik-Freaks. Gerade in Vereinen, aber auch von vielen privaten Haltern werden Segelflugzeuge in Holz- und Gemischt-Bauweise aus den 50er und 60er Jahren mit viel Engagement flugtüchtig gehalten, die auch unter heutigen Gesichtspunkten ein bemerkenswertes Leistungspotenzial zeigen.

Segelfliegen – Herausforderung in jedem Alter

Rund 110 Mitglieder betreiben die Abteilung Segelflug innerhalb des Luftfahrtverein Mainz (LFVM). Bei den Segelfliegern ist das wohl größte Spektrum an Alterklassen aller Luftsportarten vertreten. Die aktuelle sehr starke Jugendgruppe – mit erfreulicherweise außergewöhnlich großem Mädchenanteil – wird ergänzt von Segelfliegerinnen und Segelfliegern aller Alterklassen bis weit über 70 Jahre. Segelfliegen kann jeder lernen wenn sie oder er einigermaßen gesund ist. Eine Brille ist kein Hindernis. Auch der Schreiber dieser Zeilen ersetzt beim Autofahren ohne Brille die Antenne durch einen weißen Stock.

Ebenso bunt gemischt wie die Altersgruppen sind die Berufe der Mitglieder: Vom Schlosser über den Arzt und Elektronik-Ingenieur bis zum Busfahrer sind unterschiedlichste Erfahrungen vorhanden.

In Mainz-Finthen wird überwiegend an der Winde gestartet, aber auch F-Schlepp ist möglich und üblich. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit gibt es nur äußerst selten Probleme mit einer zu feuchten Startbahn. Sollte das tatsächlich einmal der Fall sein, können die Segelflieger von der üblicherweise genutzten 1000 Meter langen Grasbahn auf die parallele, ebenso lange Hartbelagbahn ausweichen. Auch diese guten Randbedingungen waren Voraussetzung, um vom DAeC-Landesverband Rheinland-Pfalz als Landesleistungsstützpunkt Segelflug anerkannt zu werden.

Um den unterschiedlichen Interessen der Mitglieder gerecht zu werden, betreibt der LFVM ein bereites Spektrum an vereinseigenem Gerät. Geschult wird überwiegend auf dem modernen Kunststoff-Doppelsitzer ASK 21. Zwei weitere Doppelsitzer sowie drei Einsitzer erfüllen die Ansprüche von Leistungs- und reinen „Genussfliegern“ gleichermaßen.

  • Einsitzer

    Ka8b
    LS4
    LS8

  • Doppelsitzer

    ASK13
    ASK21
    DuoDiscus

  • weiteres Gerät

    leistungsfähige Elektro-Doppeltrommel-Winde
    Motorschleppmaschine
    Ultraleicht mit Schleppkupplung 
    diverses Zubehör, vom Startwagen bis zum Traktor


Daneben betreiben viele Mitglieder im Rahmen des Vereinsbetriebs private Segelflugzeuge.

Der Verein ist als luftfahrttechnischer Betrieb anerkannt und verfügt über eine eigene Werkstatt. Hier können Reparaturen an Holz, Metall und Kunststoff durchgeführt werden.

Geflogen wird vor allem an den Wochenenden. Aber auch an wettermäßig guten Mittwoch-Nachmittagen kommt häufig ein Flugbetrieb zustande.

Segelfliegen ist ein Mannschaftssport. Wer fliegen will, benötigt eine Reihe von Helfern: Vom Windenfahrer oder Schlepppiloten über den „Flächenhalter“ bis zum Rückholer im Fall einer Außenlandung. Dementsprechend legen wir auch bei Haltern eigener Flugzeuge Wert auf aktive Teilnahme am Vereins-Flugbetrieb.

Wer die bunte Segelfliegertruppe kennenlernen möchte, ist herzlich zu einem Besuch eingeladen. An Samstagen und Sonntagen sind üblicherweise ab 9.00 Uhr Segelflieger am Platz. Wer direkt zum Segelflieger-Start – jeweils auf der südlichen Seite des Platzes – möchte, kann sich auf dem Turm melden. Eine Fahrgelegenheit wird dann organisiert.

Die Anfahrtsbeschreibung  findet ihr hier.


Meinolf Droege

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